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    Wenn Nervenzellen nach Nikotin schreien: Experten suchen Mittel gegen Sucht

    11.08.06

    Fast ein Drittel der 20 bis 22 Millionen deutschen Raucherinnen und Raucher würden gerne vom Glimmstängel loskommen - das Aufhören fällt dabei nicht immer leicht. Nikotin, das Gift der Tabakpflanze, ist eines der wirksamsten Suchtmittel und erzeugt eine äußerst ausgeprägte Abhängigkeit. Suchtexperten sprechen daher auch vom Rauchen als einer echten Abhängigkeitserkrankung mit einem klaren hirnbeeinflussenden Hintergrund.

    Der fatale Abhängigkeitsmechanismus lässt sich heute wissenschaftlich immer besser erklären. Nach einem tiefen Lungenzug erreichen die ersten Nikotinteilchen das Gehirn schon nach wenigen Sekunden. Dort docken sie dann an bestimmten Stellen der Nervenzellen an, was dann zur Aussschüttung einer Reihe von sogenannten Botenstoffen führt. Diese Überbringer wiederum lösen in verschiedenen Hirnbereichen Effekte aus, die Raucherinnen und Raucher schöne Empfindungen vorgaukeln. 

    Dreh- und Angelpunkt des "Nikotinflashs" ist das im Gehirn verankerte Belohnungssystem. Es soll eigentlich für den Menschen lebenswichtige Verhaltensweisen verstärken wie Sexualität, gutes Essen oder Begegnungen mit netten Menschen. Dazu schüttet dieses System einen Botenstoff mit Namen Dopamin im Hirn aus, der ein starkes Glücksgefühl auslöst und so Lust macht, diese Handlung zu wiederholen. Unglücklicherweise beeinflussen aber auch andere Mittel das Belohnungssystem, indem sie signalisieren: Hey, das war gut, noch mal! Dazu gehört auch das Nikotin in den Zigaretten. Das Gehirn möchte mehr vom Glücksboten Dopamin und kann sich bestens daran erinnern, wie sich dieses Bedürfnis befriedigen lässt - zum Beispiel mit der nächsten Zigarette. Bleibt die aus, machen sich die typischen Entzugserscheinungen breit wie Konzentrationsstörungen, Nervosität, Unausgeglichenheit und niedergeschlagene Stimmung.

    Mit Impfstoffen oder auch Anti-Raucher-Pillen konnte dieser verhängnisvolle Suchtmechanismus bisher nicht durchbrochen werden. Für die Wissenschaftler bleibt deshalb als erster Schritt zur Befreiung aus dieser Abhängigkeit nur die Eigenmotivation der Raucherin oder des Rauchers zu einschneidenden Veränderungen. Sie raten allen, die wirklich den Willen haben, mit dem Rauchen aufzuhören, sich professionelle Hilfe von außen zu suchen. Besonders wichtig sei dies für starke Raucherinnen und Raucher.

     

    Quelle: Frankfurter Rundschau

     

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