
Weniger Herzinfarkte in Schottland durch strengen Nichtraucherschutz
In Schottland wurde Ende März 2006 an öffentlichen Orten ein strenges Rauchverbot eingeführt. Rauchen ist dort am Arbeitsplatz, in allen Restaurants, Cafés und in den Pubs verboten. Raucherclubs gibt es, anders als in Deutschland, nicht. Außerdem ist auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, in allen Bahnhofsräumen und Wartehäuschen das Rauchen untersagt. Wenn Personen gegen die Rauchverbote, die dem Schutz der Nichtraucherinnen und Nichtrauchern vor Passivrauchen dienen, verstoßen, und trotzdem rauchen, dann ist mit einer Strafe in Höhe von 50 Pfund (etwa 70 Euro) zu rechnen.
Das strenge Rauchverbot hat nun hat innerhalb der wenigen Monate, seit es wirksam ist, zu einem spürbaren Rückgang von Herzinfarkten unter der Bevölkerung Schottlands geführt. Von der positiven Entwicklung profitieren vor allem die schottischen Passivraucherinnen und Passivraucher. Das wird in einer neuen Studie berichtet. Forscherinnen und Forscher von der Universität Glasgow haben die Auswirkungen des Rauchverbots wissenschaftlich begleitet. Bereits zehn Monate bevor die Gesetze zum Rauchverbot wirksam wurden, begannen sie damit, Fragebögen an Krankenhäuser, die Herzinfarktpatientinnen und Patienten behandeln, zu verteilen. Sie fragten die Patientinnen und Patienten, wie stark sie dem Tabakrauch anderer Raucherinnen und Raucher ausgesetzt sind. Außerdem haben sie den so genannten Cotininspiegel bestimmt. Cotinin ist ein Abbauprodukt vom Nikotin der Zigarette und lässt sich zum Beispiel im Urin messen.
Diese Untersuchungen wurden in den ersten zehn Monaten nach Einführung des Rauchverbots weiter fortgeführt. Die Ergebnisse zeigen nun, dass die Zahl der Schottinnen und Schotten, die wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, um ganze 17 Prozent gesunken ist. Der Rückgang war viel größer als in den Jahren zuvor und auch ausgeprägter als zur gleichen Zeit in England, wo es damals noch kein Rauchverbot wie in Schottland gab. Außerdem konnten die Forscherinnen und Forscher nachweisen, dass der Rückgang überwiegend eine Folge des Rauchverbots ist. Profitiert haben davon in erster Linie die Passivraucherinnen und Passivraucher, bei welchen in den Untersuchungen nach der Einführung der Rauchverbote nämlich eine wesentlich niedrigere Cotininmenge gemessen wurde als davor. Indem ihr unfreiwilliges Mitrauchen beendet wurde, wurde auch ihr Herzinfarktrisiko gesenkt.
Quellen:
Deutsches Ärzteblatt online
Pell, J.P. et al. (2008). Smoke-free Legislation and Hospitalizations for Acute Coronary Syndrome. The New England Journal of Medicine, 359 (5), 482-491.





















