US-Tabakindustrie muss warnen

US-Tabakindustrie muss warnen

Eine Zeitungsanzeige, in der ein Hersteller vor seinem Produkt warnt? Fernsehwerbung "gegen" das eigene Erzeugnis? Unvorstellbar? Nein: Anti-Tabak-Werbung, von der Tabakindustrie selbst wird in den USA bald zu sehen sein.

Zigaretten – kein Produkt wie jedes andere

Ganz freiwillig ist diese Art der Werbung – die ja eigentlich das genaue Gegenteil von Werbung ist – nicht, wie ihr euch bestimmt denken könnt. Die Tabakunternehmen wurden von einem Gericht dazu verpflichtet, die Anzeigen und Fernsehspots zu schalten. Und man könnte sogar sagen, dass das Gericht ihnen damit einen Gefallen getan hat – denn sie hätten sonst mehrere Milliarden US-Dollar zahlen müssen.

Nun muss die Tabakindustrie vor einem Produkt warnen, mit dem sie jahrzehntelang satte Gewinne erzielt hat. In dieser Zeit sind viele Amerikanerinnen und Amerikaner an den Folgen des Rauchens erkrankt und auch daran verstorben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Tabakunternehmen schon früh etwa seit den 1970er Jahren über die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens Bescheid wussten (und sogar eigene Studien dazu durchgeführt haben). Dennoch ließen sie die Bevölkerung über die Gefahren durch Tabakkonsum im Unklaren und belogen sie sogar, wie die "Ärztezeitung" in einem Artikel schreibt.

Eine der Anti-Werbebotschaften, die nun bald im Fernsehen zu sehen und in Zeitungen zu lesen sein wird, lautet zum Beispiel: "Rauchen tötet 1200 Amerikaner. Jeden Tag."

Was man an dieser Maßnahme auch merkt: Zigaretten sind eben kein Produkt wie jedes andere! Das sieht die deutsche Gesetzgebung übrigens grundsätzlich auch so. Deshalb gibt es in Deutschland auch so manche Regel, die zum Beispiel die Werbemöglichkeiten der Tabakindustrie beschränkt. So darf in Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr für Zigaretten geworben werden, auf Plakaten allerdings doch noch. Damit ist Deutschland inzwischen das letzte Land in Europa, in dem noch auf Plakatwänden mit bunten Bildern für das Rauchen geworben werden darf. Etwa 200 Millionen Euro gibt die Tabakindustrie hierzulande insgesamt für Werbung aus.

Eure Meinung

Was haltet ihr von der Aktion der Amerikaner? Stimmt bei unserer Umfrage ab!


Quellen:

www.aerztezeitung.de

DHS (Hrsg.) (2017): Jahrbuch Sucht 2017. Pabst Science Publishers, Lengerich.

The whole truth and nothing but the truth? The research that Philip Morris did not want you to see; Diethelm, Pascal A et al. The Lancet , Volume 366 , Issue 9479 , 86 - 92

     
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