Warum manche sich das Rauchen schön reden

Warum manche sich das Rauchen schön reden

Manchmal hört man ganz unlogische Dinge, von denen die andere Person aber total überzeugt ist. Zum Beispiel dieser Satz eines Rauchers: "Ich rauche jetzt schon mehrere Jahre. Ob ich nun bald aufhöre oder nicht, macht keinen großen Unterschied." Das ist aber mehr als falsch!

Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich meinen Körper noch länger den Giftstoffen des Tabakrauchs aussetze oder ob ich bald damit aufhöre – so dass sich meine Zellen erholen können. Dennoch ist das ein nicht selten gehörter Satz. Das Interessante daran: Wenn man sich mit den betreffenden Leuten mal länger über so eine Aussage unterhält, merkt man oft, dass sie es eigentlich besser wissen. Und zum Beispiel darüber aufgeklärt sind, dass ein möglichst baldiger Rauchstopp am besten ist für die Gesundheit. Wie kommt es also, dass sie trotzdem solche verharmlosenden Dinge sagen (und in dem Moment wahrscheinlich sogar denken)? Kann es sein, dass manche sich das Rauchen "schön reden"?

Der Großonkel hat doch auch geraucht

Vielleicht fallen euch noch ein paar andere Aussagen zum Thema Rauchen ein, bei denen die Leute es „eigentlich besser wissen“. Zum Beispiel diese hier: "Mein Großonkel ist 90 geworden, obwohl er regelmäßig geraucht hat. So schlimm kann es also nicht sein.". Wirklich? Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Viele Krankheiten entstehen durch das Qualmen. Dass der besagte Großonkel davon nicht betroffen war, ist ja erst einmal eine gute Nachricht. Aber daraus zu schließen, dass Tabakkonsum nicht so schlimm sein könne? Da ist die Statistik natürlich viel aussagekräftiger als das Einzelbeispiel.

Gedanken, die das Rauchen rechtfertigen

Solche Verharmlosungen des Rauchens haben alle eine Folge: Sie sorgen dafür, dass das Thema Rauchstopp erst mal nicht angegangen wird. Die Leute, die diese Aussagen treffen, rechtfertigen sich damit sozusagen für das Rauchen – vor allem sich selbst gegenüber. Und genau das ist auch der Zweck solcher Sätze. Das besagt zumindest eine Theorie eines amerikanischen Psychologen: Leon Festinger.

Seine Theorie heißt: "Theorie der kognitiven Dissonanz". Klingt kompliziert, ist im Grunde aber gar nicht so schwierig. Sie besagt, dass wir Menschen häufig Einstellungen haben, die sich gegenseitig widersprechen. So kann zum Beispiel jemand für Umweltschutz sein, nimmt dann aber zum Einkaufen keine Tasche mit und verlangt deshalb im Supermarkt nach einer Tüte. Klar, das ist erst einmal ein Widerspruch.

Festinger ging davon aus, dass sich solche widersprüchlichen Gedanken und Verhaltensweisen für die betreffende Person unangenehm anfühlen. Und um dieses unangenehme Gefühl erträglicher zu machen, werden dann Gedanken gebildet wie etwa "Diese eine Plastiktüte macht doch nichts."

Zurück zum Rauchen. Da ist es ähnlich: Jemand raucht, möchte aber "eigentlich" gesund leben. Der "rettende" Gedanke: "Ich rauche schon so lange, dass es keinen Unterschied macht, ob ich nun bald aufhöre oder nicht." Oder es wird eben von dem so alt gewordenen Großonkel erzählt.

Noch ein Beispiel: Eine Raucherin kommt mit ihrem Geld gerade so um die Runden, gibt jedoch viel für Zigaretten aus. Sie sagt sich dann vielleicht: "Das bisschen Luxus gönne ich mir". Zigaretten als Luxus? Noch so eine Verharmlosung des Rauchens.

Wir helfen beim Rauchstopp

Gedanken wie diese können dazu beitragen, dass jemand weiter raucht. Oder: den Rauchstopp endlos vor sich herschiebt. Deshalb sollten sich Raucherinnen und Raucher mit ihren Einstellungen und Gedanken zum Thema Rauchen beschäftigen. Der eine oder andere entschließt sich dann vielleicht auch, mit dem Rauchen aufhören zu wollen. Unterstützung beim Rauchstopp gibt es bei uns, unter Werde rauchfrei.

 
Siehe auch:
Leon Festinger: A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford, CA: Stanford University Press 1957


     
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