Zigarettenkippen können Kinder vergiften

Unachtsam weggeworfene Zigarettenstummel verschmutzen nicht nur die Umwelt und sehen zudem hässlich aus. Eine akute Gefahr besteht vielmehr darin, dass Kleinkinder die Stummel beim Spielen in Sandkästen oder auf der Straße entdecken und diese in den Mund nehmen und schlucken.

Dies kann zu schlimmen Vergiftungserscheinungen führen. Wenn ein Kind unter 12 Monaten eine trockene Zigarettenkippe verschluckt, muss deshalb sofort der Kinderarzt oder die Kinderärztin konsultiert werden. Arzt oder Ärztin entscheiden dann, ob das Kind schnellstmöglich ambulant, am besten noch innerhalb einer Stunde, mit Aktivkohle (z.B. in Form von Kohletabletten) behandelt werden kann, die dem Körper die Gifte entzieht, bevor diese sich weiter im Körper ausbreiten und Schäden anrichten können oder ob eine stationäre medizinische Überwachung erforderlich ist.

Ist die Zigarettenkippe feucht, kann es noch gefährlicher werden, da die Inhaltsstoffe bereits gelöst sind und über die Schleimhäute des Babys sofort aufgenommen werden können. In der Regel spucken Kinder die in den Mund genommenen Zigarettenkippen wieder aus. Werden jedoch kleinere Teile verschluckt, können bereits Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Der Giftnotruf Berlin befasst sich jährlich über 250-mal mit der Frage der Vergiftung von Kindern durch Verschlucken von ganzen Zigaretten oder Kippen. Danach ist das Nikotin nach Medikamenten die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkindalter. Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums belegen, dass alleine im Jahr 2008 in Berlin 900 Kinder Zigarettenkippen verschluckt haben. Dies ist eine erschreckend hohe Zahl, aber sie verwundert andererseits auch nicht, da auf vielen Spielplätzen kein offizielles Rauchverbot herrscht. Deshalb fordert das Deutsche Krebsforschungszentrum umfassende Rauchverbote für Spielplätze, aber auch für andere mit Kindern genutzte Räume wie Sportstätten, Gemeindesäle und Festzelte.

Weitere Infos zu den giftigen Schadstoffen in Zigaretten findest du unter: Was ist drin: Die Schadstoffe

 

 Quellen:

  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Umweltrisiko Tabak ? von der Pflanze bis zur Kippe, Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle Band 11, Heidelberg, 2009
  • Statement Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum anlässlich der Pressekonferenz: "Schutz der Familie und des ungeborenen Lebens vor Tabakrauch" am  28. Mai 2010
  • Giftnotruf Berlin in "Rauchfreie Spielplätze", Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (Hg.), 2007, S.34
     
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