„Nur“ süßer Dampf? Was bisher über „Passivdampfen“ bekannt ist

„Nur“ süßer Dampf? Was bisher über „Passivdampfen“ bekannt ist

Man sieht sie schon von weitem, die große weiße Dampfwolke: Jemand pustet Dampf aus, nachdem die Person vorher an einer E-Zigarette gezogen hat. Kommt man näher, kann man sie auch riechen. In diesem Fall riecht sie süß, nach künstlichen Pfirsich-Aromen. Aber ist der Dampf einer E-Zigarette eigentlich schädlich?

Abstand halten: Sowieso!

Vorsicht ist durchaus berechtigt. Denn erstens gilt in Zeiten der Corona-Pandemie ja sowieso: Abstand halten. Und zweitens: Was aus der Ferne an Zuckerwatte erinnert und – je nach Aroma – oftmals auch genauso süß ist, ist nicht automatisch harmlos.

Wenn jemand den Tabakrauch von anderen Raucherinnen und Rauchern einatmet, spricht man von Passivrauchen. Im Falle von E-Zigaretten müsste man also wahrscheinlich von Passivdampfen sprechen. Den Begriff gibt es tatsächlich, allerdings ist er lange nicht so bekannt wie Passivrauchen, über dessen Gefahren bereits seit Jahren aufgeklärt wird. 

Beim Passivdampfen ist die Wissenschaft noch am Anfang – auch weil es E-Zigaretten noch gar nicht so lange zu kaufen gibt. Erste Forschungsergebnisse gibt es zwar schon, aber Passivrauchen hat durch den Zeitvorsprung hier mengenmäßig die Nase vorn. Übrigens: Passivrauchen steht schon längst im Duden, Passivdampfen (noch) nicht.

Das ist über Passivdampfen bekannt

Wir fassen für euch zusammen, was über Passivdampfen bisher bekannt ist:

  • Eine Zigarette qualmt, so lange sie brennt, vor sich hin – auch dann, wenn nicht an ihr gezogen wird. Bei einer E-Zigarette ist das anders, sie produziert nur dann Dampf, wenn man an ihr zieht.
  • Dieser Dampf lässt sich in gewisser Weise mit dem Nebel vergleichen, der bei Musicals oder im Theater verwendet wird. Zumindest ist der Stoff, aus dem der Nebel hergestellt wird, in der Regel der gleiche: Propylenglycol. Aus früheren Untersuchungen weiß man, dass Menschen, die regelmäßig zum Beispiel Theaternebel einatmen, vermehrt unter Reizungen der Atemwege leiden. Manchmal wird bei E-Zigaretten auch Glycerin statt Propylenglycol als Vernebelungsmittel eingesetzt. Diese beiden Stoffe, Propylenglycol und Glycerin, werden auch als Lebensmittelzusätze verwendet und sind als solche unbedenklich. Wenn sie erhitzt werden, können sich aus ihnen jedoch Giftstoffe entwickeln.
  • Der Dampf der E-Zigarette enthält daneben noch weitere Substanzen, zum Beispiel Aromastoffe und häufig auch Nikotin.
  • Zwar vermuten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass der Dampf der E-Zigarette insgesamt weniger schädlich ist als der Rauch einer Zigarette. Allerdings fehlen aktuell noch Studien, die verdeutlichen, wie sich der Konsum von E-Zigaretten langfristig auf die Gesundheit auswirkt. Das gilt für das aktive Dampfen, aber auch für das Passivdampfen.
  • Das heißt aber auch: Eine Gesundheitsschädigung durch Passivdampfen kann nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollten E-Zigaretten nicht in geschlossenen Räumen verwendet werden und erst recht nicht, wenn andere Menschen in der Nähe sind, die den Dampf einatmen können.

Fazit: Die E-Zigarette produziert mit dem süß riechenden Dampf auch eine Reihe von Schadstoffen. Wie schädlich diese Stoffe so ganz genau für die Gesundheit sind, ist noch unklar. Fachleute raten jedoch insbesondere Jugendlichen vom Konsum ab. Auch vor Passivdampfen sollte man sich schützen.

     
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Autoren und Quellangaben

Ärzteblatt (2017). Studie: E-Zigaretten lösen potenziell schädliche Immunreaktionen in der Lunge aus; abgerufen am 06.08.20 unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/83026/Studie-E-Zigaretten-loesen-potenziell-schaedliche-Immunreaktionen-in-der-Lunge-aus

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) E-Zigaretten. Fakten zum Rauchen, Heidelberg, 2018

Varughese S, Teschke K, Brauer M, Chow Y, van Netten C & Kennedy SM (2005) Effects of theatrical smokes and fogs on respiratory health in the entertainment industry. Am J Ind Med 47: 411–418

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Autoren und Quellenangaben

Anna Frey & Dr. Sandra Herrmann