Rauchen ist eine freie Entscheidung – oder etwa nicht?

Rauchen ist eine freie Entscheidung – oder etwa nicht?

Ob ich rauche oder nicht, entscheide ich immer noch selbst. Wir vermuten, dass viele von euch dieser Aussage zustimmen werden. Und im Prinzip stimmt es ja auch: Niemand wird gezwungen zu rauchen.

Zigarette oder Raucher: Wer hat wen in der Hand?

Bei Menschen, die abhängig sind von der Zigarette, sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier stellt sich die Frage, wer wen in der Hand hat: die rauchende Person die Zigarette? Oder hat umgekehrt die Zigarette den Raucher/ die Raucherin in der Hand – indem sie den nächsten „Nikotin-Kick“ einfordert. Schließlich macht Rauchen stark abhängig und das auch noch ziemlich schnell. Wer regelmäßig raucht, ist zwar nicht regelrecht „gezwungen“, dies zu tun. Aber Abhängigkeit bedeutet, dass es einen (oftmals großen) Drang zum Rauchen gibt. Dem zu widerstehen, ist vor allem für langjährige Raucherinnen und Raucher meist gar nicht so einfach. Erst wenn sie durch eine Tabakentwöhnung ihre Sucht bewältigt haben, geht dieser Drang so weit zurück, dass er nicht mehr stört.

Die Mehrheit der Jugendlichen raucht nicht

Aber nicht nur die Zigarette und der darin enthaltene Suchtstoff Nikotin entscheidet mit darüber, ob jemand raucht oder nicht. Das zeigt eine Studie des Robert-Koch-Instituts aus Berlin. Befragt wurden über 6.500 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren zu ihrem Alkohol- und Tabakkonsum. Gleich mal ein erfreuliches Ergebnis vorweg: Eine große Mehrheit von ihnen – ganze 93 Prozent – raucht nicht. Interessant wurde es bei der Frage, wie viele der Jugendlichen rauchende Eltern oder Freunde haben – und vor allem, inwiefern dies die Jugendlichen darin beeinflusst, ob sie selber rauchen oder nicht.

Rauchen: im Umfeld vieler Jugendlichen ein Thema

Dabei kam heraus, dass im Umfeld der befragten Jugendlichen ganz schön viel geraucht wird. Etwa jeder dritte Jugendliche hat gute Freundinnen oder Freunde, die rauchen. Noch mehr, nämlich 4 von 10 Jugendlichen, haben mindestens ein rauchendes Elternteil. Und bei zwölf Prozent der Jugendlichen wird zu Hause geraucht – auch im Beisein der Jugendlichen selbst. Das ist schon mal ganz schön „harter Tobak“, finden wir. Denn: Auch für viele Heranwachsende, die selber nicht rauchen, ist die Zigarette offenbar ein allgegenwärtiges Thema. Andere, für sie wichtige Menschen rauchen und gefährden dabei ihre Gesundheit. Und die Jugendlichen selber werden auch gefährdet, zumindest die zwölf Prozent, die dem Tabakrauch der Eltern in der gemeinsamen Wohnung ausgesetzt sind.

So beeinflussen Freunde das Rauchverhalten von Jugendlichen

Spannend wurde es bei der Frage, ob Jugendliche, deren Eltern oder Freunde rauchen, selber ebenfalls verstärkt zur Zigarette greifen. Und tatsächlich: Wenn die Eltern rauchen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen auch rauchen, immerhin doppelt so hoch wie bei Jugendlichen mit nichtrauchenden Eltern.

Wenn gute Freundinnen oder Freunde rauchen, steigt das Risiko, dass Jugendliche ebenfalls rauchen, sehr stark an: um den Faktor 21 bei Mädchen und um den Faktor 18 bei Jungen. Im Klartext bedeutet das: Bei einer Jugendlichen mit einer guten Freundin, die raucht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie selber auch raucht, 21 mal so hoch wie bei einer Gleichaltrigen, die keine Raucherinnen oder Raucher im Freundeskreis hat.

Nein, danke. Ich rauche nicht

Natürlich: Das ist erst einmal „nur“ Statistik, der Einzelfall sieht oft ganz anders aus. Dennoch: Die Studienergebnisse zeigen, dass das Rauchen von anderen Menschen mit beeinflusst werden kann. Wir schreiben mit Absicht „kann“. Denn diesem Einfluss von anderen ist man natürlich nicht einfach ausgesetzt, sondern kann sich dagegen wehren. Am besten mit einem klaren und freundlichen: „Nein, danke, ich rauche nicht!“ Und wenn ihr Tabakrauch von anderen einatmet, hilft ein: „Bitte nicht in meiner Nähe rauchen. Danke.“.

Übrigens, auch bei unserer Straßenumfrage geht es darum, wie Freunde beeinflussen, ob man selber raucht oder nicht. Hier geht es direkt zu den Ergebnissen der Straßenumfrage.

 

 

Quelle: Zeiher J, Lange C, Starker A, Lampert T, Kuntz B (2018). Tabak- und Alkoholkonsum bei 11- bis 17-Jährigen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring 3(2): 23–44. DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-066

     
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