Süße Aromastoffe in Tabak und E-Zigaretten

Schokolade, Kuchen, Pudding: Bestimmt läuft den meisten von euch gerade das Wasser im Mund zusammen. Oft können wir süßen Verlockungen nur schwer widerstehen. Gilt das auch für süße Aromastoffe in E-Zigaretten. Könnten die dazu beitragen, dass die elektronisch betriebenen Dampfgeräte eher ausprobiert werden? Eine amerikanische Studie kommt zu dem Schluss: Ja, der süße Geschmack lockt auch hier – vor allem Jugendliche.

 

Amerikanische Studie: Süße Aromastoffe gerade bei Jüngeren beliebt

Oder sollten wir besser schreiben: Die süßen Aromastoffe sollen euch dazu verlocken, E-Zigaretten auszuprobieren – nach dem Motto: Mit Speck fängt man Mäuse?

Eins lässt sich auf jeden Fall sagen: Es macht einen Unterschied, ob der Dampf süß ist oder nicht. In der US-Studie wurden Jugendliche sowie jüngere und ältere Erwachsene zu ihren Vorlieben beim Dampfen von E-Zigaretten befragt. Das Ergebnis: Gerade bei den Jugendlichen und den jüngeren Erwachsenen waren süße Geschmacksstoffe sehr beliebt, aber auch die Aromastoffe Menthol und Minze kamen gut bei ihnen an. Und: Die allermeisten (jüngeren) Befragten sagten, dass der Geschmack mit ein Grund dafür ist, dass sie überhaupt dampfen. Das Problem dabei: Die Geschmacksstoffe verlocken nicht nur zum Ausprobieren, sie könnten Studien zufolge selber auch schädlich sein, zum Beispiel für das Herz.

 

Zucker und Kakao: in der Zigarette alles andere als harmlos

Süße Geschmacksstoffe, das erinnert doch an…, genau: an die Zusatzstoffe in Zigaretten. Am häufigsten werden dort übrigens Zucker, Lakritz, Kakao und Menthol beigemischt. Wenn diese Stoffe in Lebensmitteln vorkommen, sind sie in der Regel harmlos. Ganz anders, wenn sie im Tabak stecken und verbrennen: Dabei können nämlich krebserzeugende Substanzen entstehen.

Die Zusatzstoffe beeinflussen den Geruch und den Geschmack des Tabaks und sorgen außerdem dafür, dass er leichter und tiefer eingeatmet werden kann – indem der Rauch beim Einatmen im Hals nicht so kratzt. Beispiel Menthol: Wenn dem Tabak Menthol beigefügt wird, hat der Rauch eine kühlende und sogar leicht betäubende Wirkung. Dadurch lässt er sich leichter und tiefer einatmen. Das wiederum bedeutet: Es gelangen mehr Schadstoffe – und mehr vom süchtig machenden Nikotin – in die Lunge. Und dadurch steigt zum Beispiel auch das Risiko für Krebs und weitere Folgeschäden. Weil der Zusatzstoff Menthol in Zigaretten ein besonderes Risiko darstellt, sind Mentholzigaretten ab Mai 2020 auch in ganz Europa verboten.

Übrigens: Auch der Dampf von Shishas riecht oft süß und fruchtig. Warum der harmlose Eindruck trügt und was wirklich drin ist im Wasserpfeifendampf, verraten wir euch in dieser News.

 

 

Jedes Jahr: 200 Millionen Euro für Tabakwerbung

Aber nicht nur Zusatzstoffe tragen dazu bei, dass Menschen eher zur E-Zigarette oder zur Zigarette greifen. Jährlich gibt die Tabakindustrie über 200 Millionen Euro alleine für Zigarettenwerbung aus. Auf Plakatwänden sind zum Beispiel coole, gutaussehende Typen zu sehen, die gemeinsam rauchen. Bei Werbung für E-Zigaretten wird hingegen häufiger nur das Produkt gezeigt – offenbar soll hier das Design überzeugen.

 

Lasst euch nicht locken

Wer diese Zusammenhänge kennt, lässt sich nicht so leicht dazu verlocken, die E-Zigarette oder auch andere Rauchprodukte auszuprobieren. Und schließlich gibt es ja genügend süße Alternativen – ganz ohne die vielen Schadstoffe und die süchtig machende Substanz Nikotin.

Wir finden: Das beste Mittel gegen schädliche Verlockungen sitzt zwischen euren Ohren: Also, Kopf einschalten und rauchfrei bleiben https://www.rauch-frei.info/bleibe-rauchfrei.htmlzw. rauchfrei werden.

 

Peter Spahlinger, Dr. Sandra Herrmann

Orth, B. & Merkel, C. (2018). Rauchen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse des Alkoholsurveys 2016 und Trends. BZgA-Forschungsbericht. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. doi: 10.17623/BZGA:225-ALKSY16-RAU-DE-1.0.

Mrasek, V. (2019). E-Zigaretten locken Jugendliche in die Nikotinsucht. Deutschlandfunk.

o.A. (2019). EuGH bestätigt Verkaufsverbot für Menthol-Zigaretten. Aromatisierte Tabakprodukte zu verkaufen, bleibt in der EU verboten. Die Begründung des Europäischen Gerichtshofs: der Schutz der Gesundheit. ÄrzteZeitung online. Im Internet unter: www.aerztezeitung.de [Stand: 01.08.2019].

Soneji, S.-S., Knutzen, K.-E. & Villanti, A. C. (2019). Use of Flavored E-Cigarettes Among Adolescents, Young Adults, and Older Adults: Findings From the Population Assessment for Tobacco and Health Study. Public Health Reports, 134(3), 282–292. doi.org

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Bundesministerium für Gesundheit. (2018). Drogen- und Suchtbericht 2018. Berlin.

Pötschke-Langer, M., Kahnert, S., Schaller, K., Viarisio V., Heidt, C., Schunk, S., Mons, U. & Fode, K.  (2015). Tabakatlas Deutschland, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, 2.Auflage, Heidelberg

Won Hee, L., Sang-Ging, O., Yang, Z., Lei., T., Hye Ryeong, B., Baker, N., Whitlatch, A., Mohammadi, L., Hongchao, G., Nadeau, K.-C., Matthew, L., Schick, S.-F., Bhatnagar, A., Wu J.-C. (2019). Modeling Cardiovascular Risks of E-Cigarettes With Human-Induced Pluripotent Stem Cell–Derived Endothelial Cells. Journal of the American College of Cardiology. Volume 73, Issue 21, 4 June 2019, Pages 2722-2737

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