Eine ist keine? So schädlich sind schon wenige Zigaretten

„Eine ist keine“, sagt Matteo zu Amina und hält ihr die offene Zigarettenschachtel hin. Amina muss über den Spruch lachen, sie findet eher „Eine ist eine zu viel“ und lehnt dankend ab. „Ja, aber eine Zigarette schadet auch nicht“, sagt Matteo daraufhin. „Nur wenn man regelmäßig raucht, kann man davon krank werden“. Hat er recht?

Schon wenige Zigaretten sind ein Gesundheitsrisiko

Lässt sich tatsächlich sagen, dass viele Zigaretten viel schaden und wenige Zigaretten wenig schaden? Was auf den ersten Blick logisch erscheint, hat die Wissenschaft längst widerlegt. Zwar stimmt es, dass viel rauchen auch viel schadet. Studien zeigen: Je mehr  und je länger eine Person raucht, desto stärker steigt auch das Risiko für verschiedenste Krankheiten.

Es stimmt aber  nicht, dass wenige Zigaretten nicht schädlich oder gar harmlos wären. Deshalb irren sich die, die glauben, „auf der sicheren Seite“ zu sein, weil sie nur ab und zu rauchen, zum Beispiel auf Partys. Und auch die, bei denen pro Tag nur ganz wenige Zigaretten zusammenkommen, gehen damit ein ziemliches Gesundheitsrisiko ein.

Das passiert bei einer Zigarette pro Tag

Mal angenommen, jemand raucht pro Tag genau eine Zigarette – wie schlimm wäre das? Ein Team englischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat genau diese Frage tatsächlich untersucht. Als sie ihre Ergebnisse 2018 veröffentlicht haben, gab es in den Medien jede Menge Schlagzeilen darüber. Offenbar hatten viele nicht damit gerechnet, wie schädlich eine einzige Zigarette am Tag sein kann: Wenn ein Mann täglich eine Zigarette raucht, steigt sein Risiko für eine Herzerkrankung um 48 Prozent. Bei Frauen nimmt dieses Risiko sogar um 57 Prozent zu. Auch das Risiko für einen Schlaganfall steigt schon bei einer täglichen Zigarette deutlich.

Rauchen: Kohlenmonoxid rauf, Sauerstoff runter

Die medizinische Erklärung für die Forschungsergebnisse: Herz-Krankheiten (wie zum Beispiel die sogenannte „Koronare Herzkrankheit“, in deren Folge das Risiko für Herzinfarkte ansteigt) und Schlaganfälle entstehen durch krankhafte Veränderungen der Blutgefäße, die durch das Rauchen verursacht und beschleunigt werden können. Die Hauptschuld für diese Wirkung des Tabakrauchs trägt das enthaltene Kohlenmonoxid. Es verdrängt den Sauerstoff im Blut und greift unter anderem die Innenwände der Blutgefäße an, in denen sich dadurch Fettmoleküle einlagern können. Mit der Zeit werden die Gefäße deshalb enger und sie können verhärten (noch mehr Infos dazu, wie sich das Rauchen auf die Gefäße auswirkt, findet ihr unter Dein Körper raucht mit, einfach auf „Arterien und Venen“ klicken).

Wenige Zigaretten am Tag reichen aus für dauerhaft zu viel Kohlenmonoxid im Blut. Der Grund dafür: Der Kohlenmonoxid-Spiegel baut sich nur langsam ab, der Körper benötigt dafür mehrere Stunden. Deshalb sinkt der Kohlenmonoxid-Gehalt im Blut nach dem Rauchen auch nur langsam. Wenn nach einiger Zeit wieder eine Zigarette geraucht wird, steigt der schädliche Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut schnell wieder an.

Wenige in größeren Abständen gerauchte Zigaretten reichen also aus, um für einen längere Zeitraum einen erhöhten Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut zu haben, der dann die Blutgefäße angreifen kann: eine Erklärung dafür, warum bereits wenige Zigaretten so schädlich sind.

Risiko durch Rauchen beginnt mit der ersten Zigarette

Einige fragen sich jetzt vielleicht: Schlaganfälle und Herzkrankheiten – das sind doch Erkrankungen, die eher ältere Menschen  betreffen? Was haben Jugendliche damit zu tun? Das stimmt, aber nur teilweise. Tatsächlich sind die meisten (nicht alle!) Menschen, die am Herzen erkranken oder einen Schlaganfall erleiden, schon älter. Der Weg bis zur Erkrankung beginnt jedoch viel früher. Die Schäden an den Blutgefäßen entwickeln sich über viele Jahre hinweg, bis daraus irgendwann eine Krankheit wird.

Das „Risiko Rauchen“ beginnt also schon mit der ersten Zigarette. Und manchmal sogar noch früher. So steigt durch Rauchen in der Schwangerschaft das Risiko für angeborene Herzfehler.

Mit einer Zigarette fing es bei vielen an

Fragt man Menschen, die schon seit längerem rauchen, wie es bei ihnen angefangen hat, lautet die Antwort meist „Mit einer Zigarette hin und wieder, irgendwann wurde es dann mehr“. Und das ging in der Regel schneller als sie damals gedacht hätten. Schließlich hat sich niemand von ihnen vorgenommen, süchtig zu werden.

Auch heute unterschätzen noch viele Menschen, wie schnell sich eine Abhängigkeit vom Rauchen entwickeln kann.

Fazit: 1:0 für Amina, denn jede Zigarette schadet dem Körper. Eigentlich kein Wunder, bei den vielen Giftstoffen im Tabakrauch. Tipps zum Aufhören findet ihr auf unserer Themenseite "Rauchstopp".

 

 

 

 

 

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  • Hackshaw A, Morris JK, Boniface S, Tang JL, Milenković D. Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports [published correction appears in BMJ. 2018 Apr 11;361:k1611] [published correction appears in BMJ. 2018 Nov 28;363:k5035]. BMJ. 2018;360:j5855. Published 2018 Jan 24. doi:10.1136/bmj.j5855