Nudging: Was ist das und wie kann es beim Rauchstopp helfen?

Sofa oder Sauna? Gummibärchen oder Gemüsesticks? Laufen gehen oder doch lieber liegen bleiben? Das Leben ist voller Entscheidungen – und eine ganze Menge davon wirken sich auf unsere Gesundheit aus. Darunter natürlich auch die Frage: Rauche ich oder lasse ich es lieber?

Oftmals entscheiden wir uns für die weniger gesunde Variante

Es liegt auf der Hand, welche Entscheidung die „vernünftigere“ ist: Wer raucht, gefährdet seine Gesundheit und verqualmt viel Geld – um nur zwei Nachteile von Tabakkonsum zu nennen. Und doch greifen noch recht viele Menschen regelmäßig zur Zigarette. Einfach umschalten auf ein Leben als Nichtraucherin oder Nichtraucher? Ganz so leicht scheint das nicht zu sein, sonst würden (noch) mehr Leute aufhören zu rauchen.

So wird die gesündere zur leichteren Wahl

Und auch bei anderen Entscheidungen wählen wir nicht immer die gesündere, sondern häufig die bequemere, gewohntere oder die buchstäblich „naheliegende“ Wahl – etwa wenn der Schokoriegel in Griffweite liegt. Dieser Mechanismus wird oft zur Falle – kann aber auch eine Chance bedeuten: indem wir nämlich die gesündere zur leichteren Alternative machen. Wie? Durch das sogenannte „Nudging“.

Stufen oder Rolltreppe?

„Nudging“ bedeutet auf deutsch soviel wie „Anstoßen“ oder „Anstupsen“. Der Anstoß kommt dabei aus der Umgebung: Eine kleine Veränderung dort (zum Beispiel vorbereitete Gemüsesticks mit einem leckeren Dipp, direkt auf dem Tisch neben der Couch) gibt einen Anstoß für eine (eventuelle) Verhaltensänderung: zum gesunden Essen statt in die Chipstüte zu greifen.

Noch ein Beispiel: Du hast die Wahl zwischen einer Treppe mit vielen Stufen und einer Rolltreppe, die sich direkt daneben befindet. Du kannst also mühelos nach oben gleiten und dabei noch einmal auf dein Handy schauen – oder aber dich für die Treppe entscheiden, zum Beispiel weil du dich sowieso mehr bewegen willst. Beobachtet das mal im Alltag: Viele Menschen nehmen in diesem Fall doch lieber die Rolltreppe. Was aber, wenn sich die Rolltreppe langsamer bewegt und noch dazu die Treppenstufen einladende bunte Farben haben? Oder vielleicht sogar auf jeder Stufe ein anderer Ton erklingt, wenn man sie betritt? Dann dürfte die Entscheidung bei vielen anders ausfallen – zugunsten der Treppe und damit für die gesündere Alternative.

Eingesetzt wird das Nudging also, wenn es darum geht, Menschen bei für sie nützlichen (zum Beispiel gesunden) Entscheidungen zu unterstützen – eben einen „Stups“ zu geben.

Den Greifreflex austricksen

Das Prinzip lässt sich auch für den Rauchstopp einsetzen. Vielleicht habt ihr das auch schon mal bemerkt: Ein Raucher oder eine Raucherin verhält sich so manches Mal wie ein Kind im Supermarkt. Befindet sich dort eine Süßigkeit oder ein Spielzeug auf Augenhöhe, ist bei den Kleinen schnell ein „Greifreflex“ zu beobachten. In ganz ähnlicher Art und Weise reagieren Raucherinnen und Raucher häufig, wenn Zigaretten zum Beispiel neben dem Telefon liegen oder sich in der Jackentasche befinden. Auch die ehemalige Raucherecke auf dem Balkon kann den Gedanken an eine Zigarette auslösen. Deshalb sollte man diese Ecken nach einem Rauchstopp umgestalten, damit möglichst wenig an die Phase als Raucher bzw. Raucherin erinnert.

Tipps für den Rauchstopp (und andere Gesundheitsentscheidungen)

Auf diese Weise lässt sich eine Umgebung schaffen, die den Rauchstopp – und auch andere Gesundheitsentscheidungen – erleichtert:

  • Gesunde und leckere Lebensmittel, gut platziert (auf Augenhöhe) im Kühlschrank, lassen eher danach greifen als zur (eventuell im Keller deponierten oder gar nicht erst gekauften) Schokolade – ein gutes Mittel gegen mehr Kilos nach einem Rauchstopp.
  • Ein selbst gemachter, wenig gesüßter Eistee erfüllt die Funktion eines gesunden Durstlöschers und ist eine leckere und kostengünstige Alternative zur gekauften Limonade. Immer welchen da zu haben, kann die Kalorienbilanz verbessern.
  • Oder stellt eure Laufschuhe doch mal direkt an die Wohnungstür. Dadurch steigen die Chancen, dass ihr sie auch tatsächlich anzieht und so Entzugserscheinungen „davonlauft“ (oder „einfach so“ eure Ausdauer verbessert). Sport hilft nämlich gegen Begleiterscheinungen beim Rauchstopp, wie etwa Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen.

Ihr seht: Man kann sich selber ganz gut einen Schubs in Richtung Gesundheit geben.

Viel Erfolg beim Umsetzen wünscht euch euer rauchfrei-Team!

 

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Sunstein, T. A. (2008). Nudge: Improving decisions about health, wealth and happiness (1st Edition). USA: Penguin.