Über 120.000 Tote durch Rauchen: Warum schockt das so wenige?

121.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr vorzeitig an den Folgen des Rauchens. An jedem Tag sind das über 300 Menschen, so viele wie in ein großes Flugzeug passen. Eine Tragödie scheint das für die Öffentlichkeit jedoch nicht zu sein.

Darüber haben wir erst vor Kurzem berichtet. Und auch in anderen Medien wird die Zahl der Todesopfer durch das Rauchen immer mal wieder genannt. Schockierend findet das aber anscheinend niemand. Vielleicht weil man keinen Vergleich hat und deshalb nicht so richtig weiß, ob diese Zahl eigentlich hoch ist oder nicht? Okay, hier ist eine Zahl zum Vergleich: In der mittelgroßen Stadt Ulm wohnen ungefähr 123.000 Menschen. Und auch diese Zahl ist interessant: Im vergangenen Jahr starben 3.214 Personen bei Unfällen im Straßenverkehr.

Jetzt kann man die 121.000 Todesfälle in Folge des Rauchens schon etwas besser einschätzen. Aber es gibt noch eine andere Erklärung dafür, dass viele, die diese hohe Zahl hören oder lesen, daraus nicht automatisch schließen, dass Rauchen mit einem hohen Risiko verbunden ist. Diese Erklärung hat etwas mit dem zu tun, was Risikoforscher als „Schockrisiko“ bezeichnen.

Schockrisiko heißt, dass wir in der Regel schockiert sind (und das entsprechende Risiko besonders hoch einschätzen), wenn zu einem Zeitpunkt viele Personen an einer bestimmten Todesursache sterben, zum Beispiel bei einem Flugzeugunglück. Die typische Reaktion vieler Menschen: Sie meiden (zumindest eine Zeit lang) das Risiko und steigen zum Beispiel auf andere Verkehrsmittel um – oftmals sogar auf Verkehrsmittel mit einem höheren Unfallrisiko (zum Beispiel das Auto). Wenn sich dagegen die Todesfälle über einen längeren Zeitraum verteilen (und nicht jedes Mal darüber berichtet wird), werden die dazugehörigen Risiken deutlich geringer eingeschätzt.

Rauchen ist so ein Verhalten, dessen Risiko immer noch unterschätzt wird: Es führt zu vielen frühzeitigen Todesfällen – ist also eindeutig ein Verhalten mit hohem (Gesundheits-) Risiko. Trotzdem lösen Berichte über Sterbefälle durch das Rauchen keine Reaktionen in der Gesellschaft aus, die vergleichbar wären mit jenen, die typischerweise einem „Schockrisiko-Ereignis“ folgen.

Mit unserer rauchfrei-Kampagne wollen wir die Risiken durch das Rauchen bewusst(er) machen. Außerdem bieten wir Hilfen für den Ausstieg. Mehr zu den Gesundheitsrisiken durch das Rauchen findet ihr hier. Infos zum Rauchstopp gibt es unter "Werde Rauchfrei".

 

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/893171/krankheitsrisiken-folgen-ungesunden-lebens-unterschaetzt.html?sh=4&h=2086985344

https://www.harding-center.mpg.de/de

 

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