Zwei müde Jugendliche sitzen auf Sofa und halten Gamepads in den Händen.

Matteo Sampaolo / flickr.com

Zu viel Rauch in Computerspielen

Die Experten sind besorgt: Video-Spiele könnten Heranwachsende zum Rauchen animieren. Denn in den Games spielen Zigaretten anscheinend immer noch eine große Rolle – und werden von den Usern als cool empfunden.

Wenn Charaktere in Video-Spielen an der Zigarette ziehen, beeinflusst das Kinder und Jugendliche – und animiert vermutlich sogar dazu selbst zu rauchen. Das haben Forscher der US-amerikanischen Organisation Truth Initiative herausgefunden, die 44 Videospiel-Fans im Alter zwischen 15 und 21 Jahren befragt hatten. Diese nahmen die Rauchenden als draufgängerische Protagonisten in Machtpositionen wahr – und damit wohl in gewisser Weise als Vorbilder. 

Auch eine andere Studie verheißt nichts Gutes in Bezug auf das Rauchverhalten in Computerspielen: Das Vorkommen von Tabak in den Games soll zwischen 2005 und 2011 von einem auf 12 Prozent zugenommen haben.

Mehr Zeit, mehr Identifikation

Robin Koval ist die Präsidentin der Truth Initiative, die sich gegen Tabak-Konsum engagiert. Sie meint, dass die Spiele noch mehr Einfluss auf das Rauchverhalten der Jugendlichen hätten als Filme. Denn die Spieler würden sich viel stärker mit den Figuren identifizieren als Filmzuschauer. Dr. Brian A. Primack von der University of Pittsburgh führt noch einen anderen Grund ins Feld: die lange Zeit, in der sich die Gamer – auch durch mehrmaliges Spielen – mit einem Spiel auseinandersetzen.

Prüfstelle übersieht Zigaretten

Probleme macht offenbar auch das Entertainment Software Rating Board (ESRB). Das ist eine Prüfstelle, die beurteilen soll, ob Spiele "explicit language", also schlimme, nicht jugendfreie Wörter enthalten oder anderweitig einen schlechten Einfluss auf Jugendliche haben. Allerdings wurden lediglich bei acht Prozent der Spiele das das Auftauchen von Tabak gekennzeichnet. In der Realität zündeten sich aber Figuren in 42 Prozent der Titel eine Zigarette an.

Tabakindustrie in Verdacht

Truth-Chefin Koval fand das seltsam, da viele jüngere Videospiel-Fans Rauchen überhaupt nicht mögen würden. Sie halte es deshalb für unwahrscheinlich, dass diese sich rauchende Game-Characters wünschen. An dieser Stelle gerät nun die Tabakindustrie in Verdacht. Sie könnte Spiele-Entwickler dafür bezahlt haben, hier und da Zigaretten oder Zigarren in ihren Werken unterzubringen. Belegt ist das allerdings bislang nicht.

Die Lösungsvorschläge der Truth-Chefin

Koval hat nun verschiedene Ideen, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist:

  • Das ESRB könnte mehr Geld bekommen, um unabhängig und effektiv zu arbeiten.
  • Videospiel-Macher könnten in einem Vertrag unterschreiben, dass sie nicht von der Tabakindustrie bestochen wurden.
  • Eltern sollten ebenfalls in die Pflicht genommen werden – und sich mit den Games auseinandersetzen, die von ihren Kindern gespielt werden.

 

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